Andachten-Podcast vom Evangelischen Presseverband für Bayern (EPV)
Alles neu
In meinem Brillenpass steht, dass ich kurzsichtig bin. Ich sehe auf kurze Distanz gut, in weiter Ferne verschwimmt jedoch alles. Darum brauche ich eine Brille. Kurzsichtigkeit hilft, wenn man genau sein muss, zum Beispiel beim Einfädeln des Fadens in einem Nadelöhr. Weitsichtigkeit hilft, um das Ferne klar zu sehen. Im Alltag reicht es, wenn ich im übertragenen Sinne kurzsichtig bin: im Kleinen treu, Termine wahrnehme, Dinge erledige. Aber meine Seele sehnt sich nach Weitsichtigkeit. Dass ich nicht nur auf die dunkle Wolkenwand vor meinen Augen starre, sondern auch den Silberstreif am Horizont erblicke. In der Jahreslosung für das Jahr 2026 schenkt uns Gott Weitsicht. In Offenbarung 21,5 wird die ganz große Hoffnung beschrieben: „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5) Nun, „Alles“ ist ein großes Wort. Zu groß für meinen Alltag. Doch im Kleingedruckten des Beipackzettels lese ich: „… und ich würde gerne bei dir anfangen.“ Das neue Jahr ist eine gute Gelegenheit, mit Gott neu anzufangen, diesen Zauber des Anfangs zu erleben. Vielleicht müssen wir sagen: „Du, wir hatten miteinander keinen guten Start. Können wir nochmal von vorne beginnen?“ Und Gott? Er antwortet: „Warum nicht?“ Doch was würde sich damit ändern? Die Welt dreht sich weiter. Schon! Aber für mich wird es anders! Denn ich kann schon jetzt die Welt mit anderen, mit seinen Augen sehen. Vielleicht kriege ich ja sogar Lust, mitzumachen, mit Gott an der Seite. Zumindest entlastet mich die Jahreslosung: Nicht ich es bin, der alles neu machen muss, sondern Gott. So können wir aufatmen und heiter, gelassen und fröhlich, – ja, Sie haben richtig gelesen! – ins neue Jahr gehen. Gottes Segen zum neuen Jahr,
Ihr Pfarrer Ulrich Winkler, Petrigemeinde Kulmbach
